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Origin of biomolecular Asymmetry

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Bild der Wissenschaft 6/2002


Lebensmoleküle aus dem All

Erstmals ist es gelungen, im Experiment nachzuahmen, wie Aminosäuren unter Weltraumbedingungen entstehen.

Die sprichwörtliche Ursuppe, aus der sich vor vielleicht vier Milliarden Jahren das Leben zusammengebraut haben soll, könnte mit Ingredienzen aus dem All angereichert worden sein. Nun ist es zwei internationalen Forschungsteams geglückt, im Labor Weltraum-Eis mit Aminosäuren zu erzeugen. Diese Moleküle sind die Bestandteile der Proteine und somit notwendige Voraussetzungen für alle biologischen Prozesse. Die Experimente erhärten die Hypothese, dass Kometen und interplanetarischer Staub einst wichtige Bausteine für die Entstehung des Lebens auf die Erde gebracht haben.

Kometen sind die Relikte einer riesigen Gas- und Staubwolke, aus der sich vor 4,6 Milliarden Jahren unser Sonnensystem gebildet hat. Auf die eisige Spur kamen Guillermo Munoz Caro vom niederländischen Observatorium Leiden und Uwe Meierhenrich von der Universität Bremen zusammen mit weiteren europäischen Forschern, als sie Vorgänge bei der Kometenentstehung simulierten. In einer Vakuumapparatur in Leiden installierten sie einen Aluminiumblock, den sie mit flüssigem Helium auf minus 261 Grad Celsius abkühlten. In die Apparatur steckten die Wissenschaftler einfache chemische Verbindungen, wie sie in Wolken zwischen den Sternen vorkommen: Wasser, Kohlendioxid, Kohlenmonoxid, Ammoniak und Methanol im Verhältnis von 2:1:1:1:1. Die auf dem Kühlblock entstandenen dünnen Eisschichten wurden während ihrer Ablagerung mehrere Stunden lang UV-Strahlung ausgesetzt. Das ahmte den Einfluss des Sonnenlichts nach, dessen Energie molekulare Strukturen aufbrechen und neue knüpfen kann. Bei der Analyse des Eises fanden die Forscher 16 verschiedene Aminosäuren. 6 davon spielen eine biologische Rolle: Glycin, Alanin, Valin, Prolin, Serin und Asparaginsäure.

Ein Team um Max Bernstein synthetisierte mit einem ähnlichen Verfahren am NASA Ames Research Center im kalifornischen Moffet Field ebenfalls Aminosäuren: Glycin, Alanin und Serin. Als Ausgangsbasis verwendeten die Forscher eine Mixtur aus Wasser, Methanol, Ammonial und Blausäure im Verhältnis 20:2:1:1.

Dass Aminosäuren aus dem All auf die Erde gelangen können, ist aus der Untersuchung von Meteoriten schon länger bekannt. Über 70 wurden allein im australischen Murchison-Meteoriten aufgespürt. Einer Hypothese zufolge bilden sie sich erst nach der Entstehung des Sonnensystems aus Kohlenstoff, Stickstoff und Wasserstoff unter der Einwirkung von Wasser in den Planetoiden, von den viele Meteoriten abstammen. Die neuen Experimente zeigen aber, dass Aminosäuren auch schon früher erzeugt worden sein könnten: in Eis, das winzige Staubkörnchen umhüllte – und zwar ohne viel Wasser, wie Munoz Caros Team demonstriert hat. Das macht verständlich, warum Teile der von Kometen stammenden Meteoriten reich an Deuterium sind: Der schwere Wasserstoff wird bei photochemischen Reaktionen im interstellaren Medium häufiger eingebaut, als bei den späteren wässrigen Prozessen im Sonnensystem.

Bei der europäischen Rosetta-Mission werden die Astrochemiker ihre Forschungen vor Ort überprüfen können: Die Sonde wird 2011 auf dem Kometen Wirtanen ein Landegerät absetzen, das die Zusammensetzung seines Eises analysieren soll. Schon vorher wird die Raumsonde Stardust Kometenstaub im All auffangen und 2006 zur Analyse auf die Erde bringen.

Von der Bildung organischer Moleküle zur Entstehung des Lebens ist es freilich noch ein weiter Weg (siehe „Dreck am Badewannenrand“, Seite 45). „Man kann ewig Geologie studieren. Aber zu wissen, wie sich die verschiedenen Arten von Gestein bilden, hilft nicht viel, wenn man verstehen will, wie daraus die Pyramiden von Teotihuacán, das Tadsch Mahal oder Tonys Taverne errichtet wurden“, sagt Everett L. Shock von der Washington University in St. Louis, Missouri. „Doch die Erforschung der chemischen Bausteine des Lebens zeigt, dass sie weit verbreitet sind und auch ohne das Vorhandensein von Leben existieren können.“ Das erhöht die Chancen für die Existenz von außerirdischem Leben. „Da das Material, aus dem sich alle Planetensysteme bilden, aus den Gas- und Staubwolken des interstellaren Mediums stammt, muss es in allen Sonnensystemen Aminosäuren geben, die für die Entstehung von Leben verfügbar sind“, schreibt Bernsteins Team am Ende des Forschungsberichts.

Autor: Rüdiger Vaas
 


Last updated January 2003