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Origin of biomolecular
Asymmetry
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HR1 Profil. Meierhenrich: Es ist uns gelungen in einer Hochvakuumapparatur im Laboratorium Kometenmaterial zu simulieren, das heißt, Kometeneis herzustellen, und dieses Kometeneis haben wir einer chemischen Analyse zugeführt. HR1: Und wie sind die Aminosäuren entstanden? Waren die plötzlich einfach da? Meierhenrich: Wir hatten nicht erwartet Aminosäuren zu finden. Wir haben das organische Material untersucht, was sich in dem Eis der Kometen bildet. Und dabei sind wir – für alle Teilnehmenden überraschend - auf die Aminosäuren gestoßen. HR1: Was hatten Sie denn für Ausgangsmaterialien? Meierhenrich: Ausgangsmaterialien waren Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Ammoniak, Wasser und Methanol. Das bedeutet Moleküle, in denen jeweils nur ein Kohlenstoff oder nur ein Stickstoff-Atom vorkommen. Für die Aminosäuren brauchen wir vier oder sogar mehr Kohlenstoffatome, die miteinander durch chemische Bindungen verknüpft sind. Diese Bindungen entstehen bereits durch die Bestrahlung im interstellaren Medium. HR1: Und da gab es nun zwischen Ihnen, also den europäischen Forschern und den Amerikanern einen durchaus kleinen Wettbewerb nach dem Motto „wer findet zuerst die Aminosäuren“? Meierhenrich: Ein kleiner Wettbewerb ist untertrieben. Es war eine enorme Konkurrenz mit einem US-amerikanischen Team vom Nasa Ames Research Center mit der Folge, dass in der Zeitschrift Nature, in der wir nun beide veröffentlichten, beide Artikel – also der von Nasa Ames und der des europäischen Teams unmittelbar nacheinander abgedruckt sind. HR1: Und Sie haben die Nase vorn? Meierhenrich: Es ist immer noch ein Kopf-an-Kopf Rennen, die Amerikaner waren zwei Wochen schneller als wir, das ist natürlich der Vorteil der Amerikaner. Unser Vorteil ist, das wir in dem simulierten Kometenmaterial 16 verschiedene Aminosäuren nachweisen, während die Amerikaner lediglich 3 Aminosäuren fanden. HR1: Und dass Sie so viel mehr Aminosäuren gefunden haben als die Amerikaner zählt auch was? Meierhenrich: Aber ja, ich bin viel in Kontakt mit Wissenschaftsjournalisten in den USA und dort fragt man sich gerade, warum schaffen es die Europäer, die finanziell weniger Mittel zur Verfügung haben als die Nasa, 16 Aminosäuren zu finden während die hochqualifizierten Nasa-Mitarbeiter lediglich zu drei kommen. HR1: Wie ist der Kontakt zu den amerikanischen Kollegen, ist da eisiges Schweigen und Nebeneinanderher-forschen oder tauscht man sich ein bisschen aus? Meierhenrich: Ich kenne die Gruppe von Nasa Ames sehr wohl, war dort selbst auch mal eingeladen und habe mich im Research Center ein bisschen umschauen können. Was mir auffällt ist, das ich dort zu Computern keinerlei Zugang bekomme; die sind dicht, ich darf mich dort an keinen Rechner setzen. HR1: Aber man redet miteinander, das ist ja auch schon mal was? Meierhenrich: Man respektiert sich sehr, ich habe höchsten Respekt vor Prof. Allamandola und Dr. Bernstein, der diese Arbeiten jetzt veröffentlicht hat. Wir sind jetzt per e-mail wieder in Kontakt getreten, und ich denke dass wir uns im Sommer im Mexiko treffen werden und haben schon durchblicken lassen, dass wir dort einen Tequila zusammen trinken werden, um die Ergebnisse gemeinsam zu feiern. HR1: Die Sache, die Ihrer Forschung so viel Phantasie gibt ist ja der Umkehrschluss. Wenn die Bausteine des Lebens aus dem All auf die Erde geflogen sind, dann heißt das doch auch, dass dieser Prozess woanders hat stattfinden können. Meierhenrich: Das ist ein interessanter Aspekt, den Sie herausstellen. Seit 50 Jahren, seit den berühmten Experimenten von Urey und Miller – den sogenannten Miller-Experimenten - nimmt man an, dass die Aminosäuren in der Atmosphäre der frühen Erde entstanden sind. Das heißt, das diese Entstehung auf die spezifischen Bedingungen und überhaupt das Vorhandensein einer Atmosphäre angewiesen ist. Unser Modell beweist, dass die Aminosäuren im interstellaren Medium universell vorhanden sind und sich damit natürlich auch anderswo ausbreiten können. Aber ich möchte noch einmal herausstellen: Was wir bewiesen haben, ist die Entstehung von Aminosäuren im interstellaren Medium. Das ist in der chemischen Evolution der aller erste Schritt. Wie es mit den Aminosäuren in weiteren Reaktionen der chemischen Evolution weitergeht, hin zu Peptiden oder Eiweißen, dazu sagen unsere Ergebnisse zunächst einmal nichts. HR1: Dennoch, glauben Sie an ein Leben irgendwo da draußen? Meierhenrich: Puh, das ist eine schwere Frage. HR1: Kann man mit Ja oder mit Nein antworten? Meierhenrich: Ich bin mir nicht sicher. An hochentwickelte Lebensformen oder Kulturen wie die unsere glaube ich nicht. Ich kann mir aber vorstellen, dass primitives Leben auch außerhalb der Erde möglich ist und dass wir vielleicht gar nicht so weit davon entfernt sind, diese etwa auf dem Mars nachzuweisen. HR1: Dr. Uwe Meierhenrich von der Univ. Bremen hat Aminosäuren auf Urkometen gefunden. Ich danke Ihnen für das Interview. Meierhenrich: Ich danke Ihnen.
Last updated April 2002 |
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