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Origin of biomolecular
Asymmetry
Press
Frankfurter Rundschau 16.4.2003
Schritte zum
Leben
Wissenschaftliche Detektivarbeit bei der Suche nach Außerirdischen
/ Darwin soll zweite Erde finden
Von Karl-Heinz Karisch
Man nehme: Eine Handvoll einfacher chemischer Verbindungen wie Wasser,
Kohlendioxid, Ammoniak und Methanol, wie sie auch in großen Mengen
in interstellaren Wolken im Weltraum vorkommen. Dann verdampfe man das
Gemisch in einer Vakuum-Apparatur und lasse es auf einem Metallblock gefrieren,
der durch flüssiges Helium auf Weltraum-Temperatur gekühlt wird.
Abgerundet wird die Rezeptur durch mehrstündige Bestrahlung des Eises
mit ultraviolettem Licht.
Was die Wissenschaftler der Universitäten Bremen und Leiden (Niederlande)
als eisiges Testmaterial für die europäische Kometensonde Rosetta
hergestellt hatten, enthielt nach der Analyse eine Sensation. Im künstlichen
Kometenmaterial hatten sich 16 Aminosäuren gebildet - die Grundbausteine
des Lebens. Das bedeute, dass es Aminosäuren nicht nur auf der Erde,
sondern überall im Universum geben könne, sagt der Bremer Chemiker
Uwe Meierhenrich. Der Zusammenhang zwischen chemischen Prozessen im All
und dem Leben auf der Erde liege auf der Hand
Da in den Proben die Aminosäuren sowohl links- als auch rechtsdrehend
entstanden waren, das Leben auf der Erde aber ausschließlich mit
linksdrehenden Molekülen funktioniert, variierte Meierhenrich die
Versuche. Anfang April wurde das Eisgemisch am Lure-Synchrotron in Paris
zirkular polarisierter Synchrotronstrahlung ausgesetzt, wie sie auch im
Weltraum existiert. Ob dadurch vorwiegend linksdrehende Aminosäuren
entstanden sind, analysiert Meierhenrich derzeit.
Schmutzige Schneebälle
Wissenschaftler
nehmen heute an, dass die Kometen - auch schmutzige Schneebälle genannt
- die ältesten, weitgehend unveränderten Reste einer gigantischen
Staubscheibe sind, aus der unser Sonnensystem vor rund 4,6 Milliarden Jahren
entstanden ist. Die Ergebnisse der Rosetta-Forscher stützen die Theorie
des 2001 verstorbenen Leidener Professors Mayo Greenberg, der bereits in
den 60er Jahren vermutet hatte, Kometen hätten nicht nur gewaltige
Mengen an Wasser auf die Erde gebracht, sondern auch für das Leben
selbst eine wichtige Rolle gespielt. Heute wird der Anteil komplexer organischer
Verbindungen in Kometen auf bis zu 30 Prozent geschätzt.
Die Wissenschaftler wollen deshalb einen Kometen selbst anbohren und
untersuchen. Die dafür von der Europäischen Weltraumbehörde
ESA gebaute Sonde Rosetta hatte eigentlich schon im Januar mit einer Ariane
5 zum Kometen Wirtanen starten sollen, um 2011 ein chemisches Analysegerät
auf seiner Oberfläche zu landen. Wegen der technischen Probleme mit
Ariane musste der Rosetta-Start jedoch verschoben werden. Über eine
neue Mission - möglicherweise zu einem anderen Kometen - will die Europäische
Weltraumbehörde ESA nun im Mai entscheiden.
Die Ergebnisse der Rosetta-Mission werden von den Forschern mit Spannung
erwartet. Denn was bereits in einer einfachen Laboreinrichtung wie der
in Bremen gelingt, das muss über die langen Zeiträume im Weltraum
zu weit komplexeren Verbindungen führen.
Für Helmut Rosenbauer, der als Direktor am Max-Planck-Institut für
Aeronomie in Katlenburg-Lindau das Rosetta-Landegerät entworfen hat,
ist das Bremer Experiment ein weiterer "kleiner Schritt" zum großen
Ziel. "Es zeigt, dass wichtige Grundbausteine des Lebens an vielen Stellen
in unserer Galaxis, vielleicht sogar im ganzen Universum vorhanden sein
sollten, weil sie offenbar unter üblichen Weltraumbedingungen jederzeit
und fast überall spontan entstehen können", erläutert Rosenbauer.
Robert Shapiro, Chemieprofessor an der New Yorker Universität, geht
noch einen Schritt weiter. Die Naturgesetze bringen seiner Meinung nach
nicht nur organische Moleküle, sondern das Leben selbst hervor - überall
im Kosmos. Die Regeln der Organischen Chemie und die Physik selbst organisierender
Systeme erzeugten zwangsläufig Leben, sobald die Umweltbedingungen
stimmen, sagt er. Dies sind für ihn flüssige oder gasförmige
Trägermedien und eine ständige Energiezufuhr.
Erste Schritte, so Shapiro, seien Missionen zum Mars, und auf die Monde
Europa und Titan, die als Kandidaten für extraterrestrisches Leben gehandelt
werden. "Möglicherweise finden wir dort Leben, Reste oder Vorstufen
davon", sagt er. Im schlimmsten Fall sei eine tote Wüstenei zu erwarten.
Auf jeden Fall könnten die Ergebnisse helfen, zu entscheiden, welche
Theorien richtig seien. Eine der dazu wichtigen Ideen stammt vom schwedischen
Chemie-Nobelpreisträger Svante Arrhenius. Er hatte bereits 1903 die
Vermutung geäußert, das Leben sei irgendwo entstanden und reise
nun als Sporen durch die Milchstraße.
Sporen auf Reisen
Nach dieser Panspermie genannten Theorie begann das Leben auf der Erde
durch außerirdische Keime. Möglich wäre das, wie Forscher
des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt zeigen konnten. Sie
hatten das Bakterium Bacillus subtilis , das unter ungünstigen Lebensbedingungen
haltbare Sporen ausbildet, mit einem russischen Foton-Satelliten ins All
geschickt. Die Bakteriensporen waren weitaus robuster als gedacht. Viele
überlebten die harte Prozedur. Keime wie Deinococcus radiotrans dürften
noch härter im Nehmen sein. Er überlebt sogar extreme Dosen radioaktiver
Strahlung und kann seine beschädigte DNA anschließend reparieren.
Für die Panspermie-Theorie spricht, dass sich das Leben bereits
sehr kurz nach Entstehung der Erde auszubreiten begann. Die Urzeugung oder
die Beimpfung musste zudem durch organische Moleküle unterstützt
werden, die durch Kometen aus dem Weltall zur Erde gebracht worden waren.
Sie verhalfen mit ihrem biologischen Rohmaterial dem irdischen Leben offenbar
zum Schnellstart.
Falls dem so ist, dann dürfte der Mensch schon bald die zweite große
Kränkung erleben. Die erste nahm ihm seine Erde aus dem Mittelpunkt
des Universums und setzte sie an den Rand einer Galaxis, wie es Milliarden
andere auch gibt. Die zweite könnte die "Krone der Schöpfung"
zu einem Bewohner eines Planeten machen, der möglicherweise unzählige
Zwillingsbrüder im Weltall hat. Die Beschäftigung damit hat längst
die Phantasten überholt und ist Bestandteil der nüchternen Naturwissenschaften.
Der Heidelberger Astrophysiker Peter Ulmschneider etwa kalkuliert, dass
es theoretisch rund 4000 technologisch begabte Zivilisationen in unserer
Milchstraße geben könnte. Die Kalkulation hat allerdings wie
alle vorangegangenen den Schönheitsfehler, dass sie keine harten Beweise
vorlegen kann.
Doch die Faktenlage dürfte sich schon bald ändern. 1995 wurde
der erste Planet entdeckt, der einen anderen Stern als unsere Sonne umkreist.
Bis dahin war unklar, ob es fremde Sonnensysteme überhaupt gibt. Inzwischen
sind mehr als 100 so genannte Exoplaneten nachgewiesen. Das sind durchweg
große Gasriesen wie Saturn, die ihre Zentralgestirne eng und rasch
umkreisen. Sie können mit heutigen Teleskopen nachgewiesen werden,
weil sie beim Umlauf um ihre Sonne deren Licht etwas abschwächen und
sie zum Pendeln bringen. Auf solchen Gasriesen kann sich aber kaum Leben
entwickeln.
100 Milliarden
Galaxien
Wenn es aber solche Gasriesen gibt, dann sollte es auch bewohnbare Planeten
wie die Erde in Hülle und Fülle geben. Allein in unserer Milchstraße
schätzen die Astronomen rund 100 Milliarden Sonnen(systeme), das Universum
erfüllen mindestens 100 Milliarden solcher Galaxien. Auch wenn die
großen Entfernungen Kontakte zu fremden Zivilisationen - falls es
sie geben sollte - verhindern dürften: Sowohl die US-Raumfahrtbehörde
Nasa als auch die europäische ESA starten ambitionierte Projekte, um
erdähnliche Planeten zu finden. Die Nasa nennt ihr Programm "Terrestrial
Planet Finder". Die Esa geht 2014 mit "Darwin" an den Start.
Darwin besteht
nach der bisherigen Planung aus einer Flotte von acht Raumfahrzeugen, die
1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt operieren sollen. Sechs große
Ein-Meter-Infrarot-Teleskope werden dabei zu einem virtuellen gigantischen
Großteleskop zusammengeschaltet. Das Herzstück des Weltraumobservatoriums
wird ein so genannter Achromatischer Phasenschieber sein, der derzeit am
Heidelberger Max-Planck-Institut für Astronomie entwickelt wird. Dort
werden in der kommenden Woche auf einer internationalen Konferenz die ersten
Details der Mission geklärt.
Mit dem revolutionären Phasenschieber wird im siebten Raumschiff
das von den sec
hs Teleskopen eingefangene Licht so zur Interferenz gebracht, dass das
Licht des gleißend hellen Zentralsterns fast vollständig ausgelöscht
wird. Erst dadurch kann ein schwach leuchtender Planet, der diesen Stern
umkreist, sichtbar gemacht werden. Die Spektrallinien
seines Lichts können dann auf chemische Signale, die für Lebensspuren
typisch sind, analysiert werden. Das achte Raumschiff wird mit der Flotte
und der Erde kommunizieren.
Bei aller Hoffnung - übervölkert von Intelligenz scheint das
Universum nicht zu sein. Sonst hätte man wohl bereits Botschaften
via Radiowellen erhalten.
Last updated April 2003
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